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DIE THULE ESKIMOS IN NARSAQ KOMMUNE |
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Die Thulekultur ist die jüngste der drei großen Eskimokulturen in der Geschichte Südgrönlands. Vom Westen her aus Alaska und Kanada kommend, wanderte das Thulevolk um das Jahr 1200 nach Grönland ein, und breitete sich im Laufe der folgenden 200-300 Jahre auf große Teile Nordgrönlands, Westgrönlands und Nordostgrönlands aus. Die Thuleeskimos sind die Vorfahren der heutigen Grönländer.
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NEO-ESKIMOS: DIE THULEKULTUR |
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Das Thulevolk lebte von und mit dem (zugefrorenen) Meer, und die ganze Kultur ist auf diese Lebensführung eingestellt. Ihre wichtigsten Jagdtiere waren Meeressäuger: Robben, Walrosse und Wale, besonders der zwischen 70 und 100 t schwere Grönlandwal – aber auch Rentiere, Moschusochsen und Vögel haben sie gejagt, und Fische gefangen. Sie jagten auf dem Eis oder vom Kajak bzw. Umiaq (”Weiber-Boot”) aus, und ihre Hundeschlitten boten ihnen gute Transportmöglichkeiten. Ihre Jagdgeräte waren im Vergleich mit denen der früheren Eskimokulturen groß und strapazierfähig – gerade weil sie so große Tiere jagten. So entwickelten sie beispielsweise die stabile, mehrgliedrige Harpune, die sich für die Jagd auf dem Meer noch besser eignete. Sie stellten ihre Gerätschaften aus Stein, Knochen und Zahnbein her, wie auch die älteren Eskimovölker, entdeckten aber auch neue Materialien. So benutzten sie statt Feuerstein flache Schiefersteine, die sehr scharf behauen werden können, aber dennoch leicht zerbrechen. Wichtiger war vielleicht, dass sie Eisen verwendet haben, das sie (ohne es zu erhitzen) aus niedergegangenen Meteorsteinen schlugen. Die Behausungen der Thulekultur waren rund, eckig oder kleeblattförmig, hatten Wände aus Stein und Torf sowie Dächer aus Walknochen, Treibholz oder flachen Steinen. Das Haus betrat man durch einen schmalen, tiefgelegten Gang. Im Inneren wurde die Rückwand von einer erhöhten Pritsche eingenommen, auf der das Schlaflager aus Fellen hergerichtet war. An beiden Enden dieser Pritsche waren kleinere Nebenpritschen angebracht. Dort stand die große, halbmondförmige Specklampe des Thulevolks, gleichzeitig Lichtquelle, Heizung und Kochstelle.
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NEO-ESKIMOS: DIE INUGSUK-KULTUR |
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Die Thulekultur, wie sie hier beschrieben wird, ist in ihrer reinen Form fast ausschließlich in der Thulegegend gefunden worden. Sobald sich die Menschen auf den Weg südwärts entlang der grönländischen Westküste gemacht hatten – sei es, um ihren Jagdtieren zu folgen oder weil das ursprüngliche Gebiet nicht mehr alle ernähren konnte – veränderte und entwickelte sich auch ihre Kultur entsprechend den jeweils gegebenen natürlichen Verhältnissen. Diese weiterentwickelte Thulekultur hat deshalb einen anderen Namen erhalten: Nach dem Ort in der Gegend der Diskobucht, wo sie zuerst gefunden wurde, nennt man sie Inugsuk-Kultur. Die Inugsuk-Kultur ist wie die Thulekultur eine Meeres-Kultur, die sich von der Jagd auf Meerestiere ernährt, im Gegensatz zu der letzteren aber an das offene Wasser angepasst ist. Es sind daher auch die Inugsuk-Menschen, die das Kajak zur Perfektion weiterentwickeln, und sowohl Jagdgerät als auch Kleidung dem Kajak anpassen. Mit einem wasserfesten Fellanorak gekleidet, dessen unterer Saum fest um den Kajakring geschnürt wurde, und sitzend hinter dem Kajakstuhl, an dem die aufgerollte Fangleine angebracht werden konnte, ohne durch schweren Wellengang in Unordnung gebracht zu werden, konnten die Inugsuk-Menschen auch in unruhigen Gewässern Jagd vom Kajak aus betreiben und wurden damit unabhängiger von der Eisjagd. Sie konnten sich daher auch in Gegenden ansiedeln, wo die Gewässer das ganze Jahr über offen blieben, und drangen deshalb bis ins südlichste Grönland vor. Von hier aus setzten sie ihre Wanderung an der Ostküste des Landes fort. Die Häuser der Inugsuk-Kultur ähneln denen der Thulekultur: Sie sind rund oder abgerundet, haben einen tiefgelegten Eingang und im Inneren eine Pritsche an der Rückwand; zuweilen sind zwei oder drei Häuser zusammengebaut und teilen sich einen Eingang. Neu ist, dass man nun in einer kleinen Ausbuchtung des Eingangsbereiches oft auch eine Kochnische findet, in der ein Feuer brannte – meist ein Knochen- oder Speckfeuer. Diese Häuser wurden nur im Winter bewohnt. Im Frühjahr zog man hinaus in die Jagdgründe an der Küste und wohnte dort in Zelten. Diese Zelte bestanden aus Robbenfellen: Das innerste mit der Fellseite nach innen, das äußerste enthaart und wasserdicht. Das Skelett des Zeltes war aus Treibholz und bestand aus einem senkrecht aufgestellten Eingangsrahmen, an dem hinten lange Stützstangen angebracht waren, deren entgegengesetztes Ende auf der Erde ruhte. Die Höhe des Raumes verjüngte sich also zum hinteren Ende hin. Am Eingang war ein Vorhang aus zusammengenähter Darmwand angebracht, durch den das Tageslicht ins Innere fallen konnte. Die Unterkante des Zeltes wurde mit flachen Steinen am Boden befestigt – diese Steine sehen wir heute noch als ”Zeltringe”. Im Spätherbst zog man wieder in die festen Häuser zurück, wobei diese zunächst einmal ein neues Dach aufgelegt bekamen. Beim Auszug aus dem Haus im Frühjahr entfernte man nämlich regelmäßig die Dächer – das Innere des Hauses wurde so im Laufe des Sommers durch Wind und Wetter gründlich gereinigt. Die Gräber befinden sich in der weiteren Nähe der Wohnplätze: Es sind schwere Steinsärge, bedeckt mit einer größeren Ansammlung Steine, so dass sich eine kleine Anhöhe bildet.
Die Inugsuk-Kultur verändert sich schrittweise In der Zeit zwischen 1300 und 1600 stößt das Inugsuk-Volk auf die Siedlungen der Nordländer, und zwar in der Westregion um das heutige Nuuk, sowie in der Ostregion, der heutigen Narsaq/Qaqortoq/Nanortalik-Gegend; hier begegnen sie einer fremden Lebensweise. Was diese Kulturenbegegnung für beide Seiten bedeutet hat, ist noch weitgehend unklar – siehe nächster Abschnitt. Im 17. Jahrhundert entstehen Kontakte mit europäischen Walfängern, die in der Davisstraße auf Fangfahrt sind. Durch diese kommen eiserne Messer, Glasperlen, Tonpfeifen und andere Dinge europäischen Ursprungs in Umlauf. Gleichzeitig ändert sich die Form des Winterhauses der Inugsuk-Kultur: Aus den Einfamilienhäusern werden nun Gemeinschaftshäuser bzw. Langhäuser beachtlicher Größe, in denen mehrere Familien gemeinsam wohnen können. Durch den schmalen Eingang betritt man nun einen großen Raum, dessen Rückwand wie auch Seitenwände von Pritschen eingenommen werden. Die Hauptpritsche war mit Fellstreifen in Familienboxen eingeteilt, und vor jeder Box stand auf einer Steinplattform die Specklampe der Familie. Darüber hingen die Steintöpfe von den [tørrehækkene] herab. Es herrscht noch Uneinigkeit über die Ursache dieser Veränderung. Einige meinen, dass die großen rechtwinkligen Häuser nach dem Vorbild der Nordländer und ihres Langhauses entstanden sind – und dass später die europäischen Walfänger ähnliche Vorbilder lieferten. Andere sind der Ansicht, dass die Versorgung mit Treibholz sich verbessert hätte, und man deshalb die Häuser anders bauen konnte. Wieder andere betrachten die Funktion des Langhauses, und bringen seine Ausbreitung mit einer Klimaveränderung in Verbindung: Man hat konstatiert, dass es im Laufe des 17. Jahrhunderts kälter wurde in Grönland, was tatsächlich mit der Ausbreitung des Langhauses zwischen 1650 und 1700 zusammenfällt. In dieser Theorie bewirkt die Klimaänderung eine Verschiebung der Erwerbsstruktur an der Küste, was sich letztlich folgendermaßen auch auf die Hausformen auswirkt: Mit den Veränderungen der Fangbedingungen ändern sich auch die Verteilung der Nahrungsmittel und damit die sozialen Verhältnisse. Gruppen bilden sich neu. Gleichzeitig kann die Reparatur der Kajaks im Winter nun nicht mehr unter freiem Himmel erfolgen – und in den Einfamilienhäusern sind dafür die Platzverhältnisse nicht ausreichend. Die Klimaänderung und die kälteren Temperaturen dienen auch denjenigen als Argument, die meinen, dass ein Zusammenrücken der Menschen notwendig wurde aus dem einfachen Grunde, um die Wärme zu halten. Das bekannte grönländische Torfschollenhaus des 19. und 20. Jahrhunderts ist eine Weiterentwicklung des Gemeinschaftshauses. Es wird kleiner mit der Zeit, erhält innen eine Bretterverkleidung und wird zuletzt nur noch von jeweils einer Kernfamilie bewohnt, evtl. erweitert durch ältere Verwandte. Licht- und Wärmequellen verändern sich auch: Der Eisenofen hält seinen Einzug, und Lampen werden mit verschiedenen Heizmaterialien befeuert. Schließlich verändert sich die gesamte Einrichtung mit ebenso großen Schritten wie die grönländische Kultur generell.
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BEGEGNUNG DER ESKIMOS MIT DEN NORDLÄNDERN |
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Aus Funden in den Eskimoruinen kann man ersehen, dass Verbindungen zwischen den Eskimos und den Nordländern bestanden haben, aber wie viel Kontakt es gegeben hat, ist schwer zu sagen. Früher hat man gewaltsame Übergriffe der Eskimos für das Verschwinden der Nordländer verantwortlich gemacht, aber derartige Theorien können nun widerlegt werden. Die Nordländer sind nicht verschwunden, weil die Eskimos sie ausgerottet hätten. So einfach kann man ihr Verschwinden nicht erklären. Anfangs schloss man den Gedanken an Kontakte und Konkurrenz zwischen Eskimos und Nordländern mit der Begründung aus, dass sich ihre Siedlungen an ganz verschiedenen Orten befunden hätten: Die Nordländer lebten als Bauern an den oberen Fjorden, und die Eskimos siedelten als Jäger an deren unterem Ende, jedoch nicht ganz an der Küste. Mittlerweile aber weiß man – wie im Abschnitt über die Nordländer berichtet – dass sich auch einige Nordländer von Jagd und Fischfang ernährt haben, und sich deshalb ebenfalls am unteren Ende der Fjorde niederlassen mussten.
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RELIKTE DER VERGANGENHEIT: WAS SEHEN WIR HEUTE ? |
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In Narsaq Kommune sind heute vom Grönländischen Nationalmuseum ca. 80 Eskimoanlagen registriert (von insgesamt 2000 in Grönland). Eine Registrierung bedeutet nicht unbedingt, dass die Anlage archäologisch untersucht ist, oder man sich überhaupt sicher sein kann, dass es sich um eine Ruine handelt. Die Liste der Registrierungen wird ständig erweitert. Die Entdeckung neuer Anlagen soll deshalb dem zuständigen Museum gemeldet werden. Die Nordländerruinen in Narsaq Kommune können datiert werden von der Zeit der ersten Landnahme am Ende des 10. Jahrhunderts bis hin zum Verschwinden der Nordländersiedlungen in der Mitte des 15. Jahrhunderts.
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